Amical Alpin Expedition 2006 zu Gasherbrum II und IV - 6. Expeditionsbericht 25.07.2006

Mit der Pistole auf der Brust

25. Juli 2006

Wir hatten 72 Stunden. Drei Tage, drei Nächte. Dann, hatte der pakistanische Kommandant des Militärstützpunktes unmissverständlich klar gemacht, mussten wir fertig sein. 72 Stunden: Nicht, um auf den Gasherbrum IV zu steigen. Sondern um das Basislager Richtung Skardu zu verlassen. Mit der Pistole auf der Brust blieb uns nicht viel anderes übrig, als den Befehlen des kriegserprobten Militärs Folge zu leisten. Unser Versuch am GIV war zu Ende, bevor er richtig begonnen hatte.

Zu verdanken hatten wir dies Hermann, einem Teilnehmer der erfolgreich abgeschlossenen Expedition zum Gipfel des GII. Zwei Mal hatte er sich nach unserem Gipfelerfolg, aus welchem Grund auch immer, in das militärische Sperrgebiet oberhalb des Basislagers gewagt. Das erste Mal wurde er aufgegriffen, belehrt und zurückgeschickt. Das zweite Mal waren die pakistanischen Soldaten kurz davor, auf ihn zu schießen. Sein unüberlegtes Handeln hatte harte Folgen: David und ich hatten gerade die Rucksäcke gepackt und wollten schlafen gehen, als uns der Befehl des Stützpunktkommandanten erreichte. Nichts und niemand konnte ihn umstimmen. Es war vorbei.

So starteten wir in der Nacht zum 20. Juli nicht Richtung GIV-Gipfel, sondern bargen unsere restliche Ausrüstung aus Lager 1. Nur aufgrund der Beziehungen und der Intervention unserer Trekkingagentur ATP hatte uns das Militär diesen Zeitaufschub überhaupt gewährt. Eineinhalb Tage später verließen wir, traurig und wütend zugleich, das Basislager. Für die 150 Kilometer nach Askole brauchten wir drei Tage, von dort ging es mit Jeeps zurück nach Skardu.

Eine anstrengende Expedition nimmt so ein seltsames Ende. Hinter uns liegen ein wunderschöner Erfolg am GII und ein aufwühlender Abschied vom GIV, an dem uns nicht einmal ein Versuch gestattet war. Wir sind froh, dass wir diese emotionale Achterbahnfahrt bald daheim mit einem kühlen Bier abschließen können. Der GIV steht auch noch länger, und wir sind - wie Reinhard Karl es einst so schön formulierte - "unterwegs nach Hause".

Bis zum nächsten Mal!

David und Michi